Berufsbild

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Reiseleiterin/Reiseleiter kurz (RL) ist keine geschützte Berufsbezeichnung und fordert daher rein theoretisch keine spezifischen Berufszugangsvoraussetzungen. Dennoch stellen Arbeitgeber wie Reisebüros und Reiseveranstalter  gewisse Anforderungen an die Bewerber, die für die Ausübung der Tätigkeit des Reiseleiters erforderlich sind.

Laut der Definition der CEN (Europäisches Komitee für Normung, Europäischer Norm EN13809) ist der Begriff “Reiseleiter” festgelegt: “Person, die im Auftrag des Reiseveranstalters den Reiseablauf leitet und beaufsichtigt, und dabei sicherstellt, dass das Programm gemäß dem Vertrag zwischen Reiseveranstalter und reisenden Kunden durchgeführt wird, und die örtliche praktische Informationen gibt.”

Der Beruf “Reiseleiter” ist zwar kein Ausbildungsberuf, es gibt aber in Österreich sehr wohl verschiedene umfassende Ausbildungskurse dafür. Die Anforderungen an RL sind sehr komplex. Kenntnisse über Sprache, Kunst, Kultur, Geschichte, Geographie und Politik sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Der weitaus größere Teil unserer Arbeit ist der, den der Reisegast im Idealfall gar nicht mitkriegt, nämlich hervorragende Zwischenmenschliche Fähigkeiten, Empathie, gekoppelt mit natürlicher Autorität, Organisationstalent, Antizipieren von Schwierigkeiten, Mediation zwischen den Reisegästen und was auch immer sonst noch gerade gebraucht werden sollte. Denn letztendlich ist der einzige und wichtigste Gruppenverantwortliche auf einer Reise der Reiseleiter.

Von den Veranstaltern wird erwartet, dass der RL alle diese Themenbereiche in unterschiedlichem Maße, je nach Schwerpunkt und Spezialisierung, abdeckt. Der RL ist der Repräsentant des Veranstalters vor Ort und daher auch die erste Ansprechperson für die Gäste. Oft überlappen die Tätigkeitsbereiche von Reiseleitern und örtlichen Fremdenführern, was oftmals zu einer gewissen Verwirrung in der Verwendung der Begriffe „Reiseführer“, „Reiseleiter“, „Fremdenführer“, „Guide“, „Reisebegleiter“, etc. führt. Im Idealfall werden auf einer Reise aber beide, Reiseleiter und Fremdenführer, eingesetzt und auch gebraucht und sollten sich dabei aufeinander abstimmen und sich ergänzen. Ein Reiseleiter führt in der Regel nicht in der Destination. In vielen Ländern ist dieses Privileg der lokalen Fremdenführer auch staatlich geschützt und reglementiert und das Führen von Reisegruppen ohne Lizenz unter Strafe verboten.

Allerdings ist im Oktober 2006 ein Urteil ergangen, das die Führungsfreiheit außer Zweifel stellt: Im Grundsatzurteil Nr. 117S/06 vom 18. Mai 2006 entschied das Oberste Gericht Italiens, dass RL eines EU-Herkunftslandes Reisegruppen, die sich vorübergehend während einer “geschlossenen Tour” in einem anderen EU-Land aufhalten, ohne örtliche Lizenz führen dürfen. Die Richter begründeten dies damit, dass das Europäische Recht gegenüber regionalen Gesetzen Vorrang besitze und damit – entsprechend der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes – die Dienstleistungsfreiheit für RL innerhalb der Europäischen Union gewährleistet sein müsse. Ein Urteil, das aber nicht als Freibrief für Führungen vor Ort gilt, ausführliche Erläuterungen bleiben weiterhin den autorisierten lokalen Führern vorbehalten!