Berufsbild

Reiseleiterin/Reiseleiter (kurz RL genannt) kann sich jeder nennen. Der Beruf ist nicht geschützt.

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Laut der Definition der CEN (Europäisches Komitee für Normung, Europäischer Norm EN13809) ist der Begriff “Reiseleiter” festgelegt: “Person, die im Auftrag des Reiseveranstalters den Reiseablauf leitet und beaufsichtigt, und dabei sicherstellt, dass das Programm gemäß dem Vertrag zwischen Reiseveranstalter und reisenden Kunden durchgeführt wird, und die örtliche praktische Informationen gibt.”

Der Beruf “Reiseleiter” ist kein Ausbildungsberuf, es gibt aber in Österreich sehr wohl verschiedene umfassende Kurse, die mit einer Prüfung abschließen. Die Anforderungen an RL sind sehr komplex: Kenntnisse über Kunst, Kultur und Geschichte, Landeskunde (sowohl des eigenen Landes als auch des Reiselandes), fundierte Sprachkenntnisse, Rhetorik, Organisationstalent, psychologisches Einfühlungsvermögen und Durchsetzungskraft sind gefragt. Dieses Wissen und mehr werden in den Kursen vermittelt.

Von den Veranstaltern wird erwartet, dass der RL alle diese Themenbereiche abdeckt, der RL ist der Repräsentant des Veranstalters vor Ort und daher auch die erste Ansprechperson für die Gäste. Meist geben RL auch die Erklärungen, die den lokalen Fremdenführern vorbehalten sind, das führt oft zu großen Problemen. Besonders in Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Luxembourg (Stadt), Österreich, Portugal, Spanien ist die Tätigkeit der Fremdenführer staatlich geregelt, ein Verstoß kann mit hohen Geldstrafen geahndet werden. In folgenden EU-Ländern unterliegt die Tätigkeit der Reiseleitung keiner oder einer lokalen Regelung (z.B. London): Dänemark, Deutschland, England, Finnland, Irland, Niederlande, Schweden.

Allerdings ist im Oktober 2006 ein Urteil ergangen, das die Führungsfreiheit außer Zweifel stellt: Im Grundsatzurteil Nr. 117S/06 vom 18. Mai 2006 entschied das Oberste Gericht Italiens, dass RL eines EU-Herkunftslandes Reisegruppen, die sich vorübergehend während einer “geschlossenen Tour” in einem anderen EU-Land aufhalten, ohne örtliche Lizenz führen dürfen. Die Richter begründeten dies damit, dass das Europäische Recht gegenüber regionalen Gesetzen Vorrang besitze und damit – entsprechend der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes – die Dienstleistungsfreiheit für RL innerhalb der Europäischen Union gewährleistet sein müsse.

Es liegt daher in unser aller Interesse, eine gesetzliche Anerkennung der Tätigkeit von RL im In- und Ausland und den sich daran knüpfenden Berufsschutz zu erlangen.